Geschichte des Ordens
Der historische Orden (1202 – 1237)
Im 12. Jahrhundert kamen Kaufleute aus Lübeck über den Seeweg in das Mündungsgebiet der Düna, um im Siedlungsgebiet der finno-ugrischen Liven Handlungsniederlassungen zu gründen. Die den Händlern gefolgten Missionare hatten zwar wenig Erfolg, erreichten aber die Errichtung des Bistums Livland. Nachdem bald klar wurde, dass die Missionierung ohne Schutz nicht lange Bestand haben wird, wurden die ersten Kreuzfahrer ins Land gerufen.
Damit den Ende des 12. Jahrhunderts ins Land gerufenen Kreuzrittern eine geordnete Organisation gegeben werden konnte, gründete der Zisterzienserabt Theoderich von Treiden 1202 auf Initiative des Bischofs von Riga Albert I. einen Ritterorden unter der lateinischen Bezeichnung Fratres miliciae Christi de Livonia – zu Deutsch: Brüder der Ritterschaft Christi von Livland. Der Orden wurde 1204 vom Papst Innozenz III. bestätigt und dem Bischof von Riga unterstellt. Die Ordensmitglieder traten in erster Linie nicht in Kriegszügen, sondern als Beschützer friedlicher Kaufleute auf. Das Ziel des Ordens war Schutz und Ausbreitung der römischen Christenheit.
Erster Herrenmeister (höchstes Amt im Schwertbrüderorden) wurde 1204 Wenno von Rohrbach (1209 ermordet). Der erste Konvent war in Riga, danach wurde der Hauptsitz auf die neu errichtete Burg Wenden verlegt.
Der zweite Herrenmeister Volquin Schenk von Winterstein (1209 – 1236) bemühte sich bei Papst Innozenz III. um eine Herrschaftsteilung zwischen Bischof und Orden. In der päpstlichen Bulle von 1210 wurde der Herrschaftsanspruch zwischen Bischof und Orden geteilt und der Missionsauftrag des Ordens betont. 1212 bestätigte Kaiser Otto IV. den gesamten Besitz des Ordens als Reichslehen.
Ende des 3. Jahrzehnts im 13. Jahrhundert erreichte der Orden seine größte Ausdehnung vom Finnischen Meerbusen bis über die Düna. Um dieses Gebiet nachhaltig verteidigen zu können, strebte Ordensmeister Volquin ab 1231 eine Vereinigung mit dem Deutschen Orden an. Der Hochmeister des Deutschen Ordens Hermann von Salza zögerte allerdings mit der Zustimmung wegen eines Streites der Schwertbrüder mit dem dänischen König Waldemar II. um Estland. Erst die Schicksalsschlacht von Saulen brachte 1236 die Entscheidung, da eine große Anzahl von Ordensrittern und der Ordensmeister Volquin den Tod fanden. Um Riga halten zu können, entsandte Hermann von Salza umgehend 60 Deutschordensritter mit Gefolge und stimmte der Vereinigung zu.
Die Vereinigung der überlebenden Schwertbrüder mit den Ordensbesitzungen in den Deutschen Orden erfolgte 1237 durch Papst Gregor IX. mit dem Vertrag von Viterbo (Viterber Union), wobei die regionale Verwaltung in Livland beibehalten wurde.
Der ehemalige Schwertbrüderorden in Livland führte, wenn auch in den Deutschen Orden eingefügt, bis zum Ende des 6. Jahrzehnts des 16. Jahrhunderts ein sehr eigenständiges Leben und verteidigte erfolgreich Livland gegen die Russen und Litauer, bis 1558 das letzte Aufgebot des Ordens aufgerieben wurde. Nachdem der Versuch des letzten Fürstmeisters von Livland Gottfried Kettler, von den Dänen und Schweden Hilfe zu erlangen, gescheitert war, legte er 1561 das Ordenskleid ab, trat Livland an Polen ab und behielt als weltlicher Herzog und Lehensmann der polnischen Krone Kurland und Semgallen.
Damit überdauerte der historische Schwertbrüderorden den Deutschen Orden in Preußen um über 35 Jahre. Denn bereits 1525 legte dessen letzter Hochmeister Markgraf Albrecht vor dem polnischen König sein Ordenskleid ab und nahm Preußen als weltliches Herzogtum zu Lehen.
Die unauflösliche Vermischung geistiger und materieller Antriebe gab den Schwertbrüdern – wie auch allen anderen Ritterorden – eine erstaunliche besitzbildende und militärische Stoßkraft, denn die Ordensheere waren den Lehensheeren der ritterlichen Einzelkämpfer durch ihre Disziplin überlegen.
Der Schwertbrüderorden eroberte und christianisierte mit wenigen tausend Schwertmissionaren eine Viertelmillion Menschen auf einem Gebiet von etwa 112.000 km² (zum Vergleich: die heutige Republik Österreich umfasst etwa 84.000 km²). Der Staat des livländischen Ordens überlebte nicht nur seine Gründer, er bewies auch unter allen anderen gleichartigen Bildungen die längste Dauer.
Der neuzeitliche Orden in Österreich (gegründet 1983)
Der Geist der Schwertritter lebt jedoch heute weiter. 1956 belebte Josef Pongratz (Ritter Josefus von Schwarzenberg) in Rosenheim deren Geist und gründete auf esoterischen Mauern in Anlehnung an das alte ritterliche Brauchtum den Orden der Schwertbrüder zu Livland in der Bundesrepublik Deutschland (OSvL Deutschland). Seine Idee der Veredelung des Menschen drang über die Grenzen hinaus, so auch nach Österreich.
1973 wurde dem Klagenfurter Dr. Gerhard Jaritz in Bayern auf Schloss Pertenstein vom Großmeister Josefus von Schwarzenberg die Schwertleite erteilt und er mit dem Ritternamen „von Leuchtenberg" belehnt. 1974 wurde er vom Großmeister zum Komtur von Österreich erhoben und beauftragt, den Orden in Österreich aufzubauen. Profane und berufliche Gründe verhinderten vorerst die Verwirklichung des Auftrages.
Großmeister von Schwarzenberg erteilte 1983 zwei weiteren Österreichern (dem St. Veiter Ignaz Schlifni und dem Wiener Erwin Scherer) die Schwertleite, belehnte sie mit den Ritternamen „von Weizern" und „Adler von Zinnenberg" und erhob sie zu Provinzmeistern (von Kärnten und Wien). Im selben Jahr erarbeiteten die Ritter von Weizern und von Leuchtenberg eine Satzung für Österreich und gründeten den Verein „Ritterorden der Schwertbrüder von Livland" (ROSvL).
Dieser neue Orden wurde vom (deutschen) Großmeister von Schwarzenberg 1984 in die Unabhängigkeit entlassen und Ritter von Weizern zum ersten Großmeister von Österreich auserkoren. Der Orden in Wien verblieb weiterhin unter der deutschen Oberhoheit.
Der „Ritterorden der Schwertbrüder von Livland" in Österreich blühte auf. So wurden bereits 1984 Komtureien in Salzburg und in Tirol sowie 1989 in der Steiermark gegründet und die Aufbauarbeit der drei Komture begann Früchte zu tragen.
Doch blieb der Orden von internen Unstimmigkeiten leider nicht verschont: 1987 erfolgte der Rück- und Austritt des regierenden Großmeisters (R. v. Godenberg – bis 1986 R. v. Weizern) und als neuer Großmeister wurde R. v. Kwienberg (Kurt Kwietkowsky – ab 1988 R. v. Jaxa und Gryf) gewählt. Die Komturei Tirol unterwarf sich bald der deutschen Oberhoheit und gründete 1987 den eigenen Orden „Ritterorden der Schwertbrüder von Livland zue Tirolensis".
1989 gründete R. v. Kwienberg (in Personalunion auch Komtur von Salzburg) in Salzburg einen eigenen Orden mit dem Namen „Ritterorden der Schwertbrüder Christi von Livland". Er legte die Großmeisterwürde nieder, brach die Verbindung mit dem ROSvL ab und unterwarf sich dem Schwertbrüderorden in Deutschland.
Um die Einheit des Ordens zu wahren, wurden unter der interimistischen Führung des Großkomturgebietigen R. v. Brandtenburg (Wilhelm Brandtner aus Klagenfurt) 1989 die Vereinsgründungen in sieben österreichischen Bundesländern (Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und Burgenland) vorgenommen und die Komturei Steiermark errichtet. 1990 wurden auch noch der Verein in der Steiermark sowie der Dachverein „Oberster Konvent" gegründet und R. v. Kreuzberg (bis 1986 von Leuchtenberg) zum neuen Großmeister gewählt.
Da sich in den Provinzen Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg auf Dauer keine eigenen Ordenstätigkeiten entwickelt hatten, wurden diese Organisationen mit Beschluss des Generalkonvents 2000 aufgelöst. Aus demselben Grund wurden 2025 auch die Provinzen Salzburg und Wien aufgegeben und aufgelöst.
2006 folgte R. v. Sammetgraez (DI Josef Sammt) als neu erwählter Großmeister R. v. Kreuzberg nach. 2010 wurde R. v. Kreuzberg neuerlich zum Großmeister gewählt. Von 2015 bis 2025 lenkte R. v. Knappenberg (Karl Knapp, BSc) die Geschicke des Ordens. 2025 wurde R. v. Rohregg (Herbert Rohrer) vom Generalkonvent zum derzeit amtierenden Großmeister gewählt.